11 Mrz
Barnsteiner Film:
„Ich sterbe. Kommst du?“ wagt einen ungewöhnlichen Blick auf das Sterben, erzählt von den Herausforderungen letzter Lebenstage, vom Abschiednehmen, der Angst vor dem Tod, aber auch vom Humor, den das Leben bis zum Schluss behält und der Erkenntnis, dass das Leben oft unfertig zu Ende geht.
Nadine, eine junge Mutter, leidet an Krebs im Endstadium. Sie nimmt Abschied von ihrer Wohnung, ihrem bisherigen Leben und zieht nicht freiwillig in ein Hospiz.
Denn ihre Mutter Renate, selbst überfordert mit der Situation ihr eigenes Kind auf diesem letzten Wegabschnitt begleiten zu müssen, versucht die Organisation zu übernehmen, auch um im Handeln der Trauer zu entfliehen.
Wütend über die ihr aufgezwungene Situation sitzt Nadine in ihrem Hospizzimmer und sehnt sich nach ihrer Wohnung und ihrem sechsjährigen Sohn Dexter.
Im Laufe des Films nimmt sie ihr neues, letztes Zuhause, in dem sich eine letzte Wohngemeinschaft versammelt, langsam an. Nach und nach kommt sie mit den anderen Mitbewohnern des Hospiz‘ in Kontakt und beginnt sich mit ihrer eigenen und der Situation der anderen auseinanderzusetzen – wütend und aggressiv, feinfühlig und grob, heiter und traurig. Sie findet eine Freundin in Marion, einer lebenslustigen Frau, die sich vom Sterben nicht unterkriegen lassen will.
Und Dexter? Er setzt sich auf seine eigene Weise mit dem Sterben und dem Tod seiner Mutter auseinander. Am Ende macht er auf dem Friedhof Hausaufgaben und legt Nadine selbstgemalte Bilder vor den Grabstein auf dem steht: „Wer das hier liest, braucht vor nichts Angst zu haben.“
Regisseur Benjamin Kramme hat hier einen Film über das Loslassen gedreht, darüber, zu akzeptieren, was man nicht ändern kann, und trotzdem nicht zu resignieren. Sterben kann man nicht üben. Man kann es auch nicht falsch machen, man kann es nur ertragen.
Indem er einen ungeschönt ehrlichen Blick auf das Sterben wirft und immer wieder auch humorvoll von den Herausforderungen erzählt, nimmt er seinem Film die Beklemmung, die das gesellschaftliche Tabu Sterben immer noch auslöst.
Das Drehbuch für den Film wurde inspiriert von echten Geschichten. Denn neben der Schauspielerei hat Kramme per Fernstudium Sozialpädagogik studiert und dafür im Hospiz Schloss Bernstorf ein Jahr lang ein Praktikum absolviert.
Beim Festival Max Ophüls Preis 2025 gewann dieses sehr gelungene Debüt den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film. In der Jurybegründung wurden das »Feingefühl und die Klarheit« hervorgehoben und die Aussage, »dass wir auch am Ende Bedeutung in das Leben anderer tragen können. Denn wer diesen Film sieht, braucht vor nichts Angst zu haben.«
Hauptdarstellerin Jennifer Sabel aus Schwerin gewann im Oktober 2025 den Deutschen Schauspielpreis, eine der wichtigsten Auszeichnungen für Schauspielkunst, in der Kategorie „Dramatische Hauptrolle“.